Themen

, , , , , ,

Positionsbestimmung Pellerhaus – Eine Zusammenfassung

5. Dezember 2017

Nach der fast vollständigen Zerstörung der historischen Nürnberger Altstadt durch den Zweiten Weltkrieg erfolgte der Wiederaufbau auf Grundlage eines Wettbewerbs, der vorsah, die grundsätzliche Stadtstruktur zu belassen, diese aber auf die aktuellen Anforderungen anzupassen. Nur die wichtigsten historischen Gebäude, wie die Kaiserburg, das Rathaus, oder die Kirchen St. Lorenz, St. Sebald und die Frauenkirche sollten rekonstruiert werden. Ein Grundplan legte aber die prägenden Baumaterialien, Farbgebung, Traufhöhen und Dachneigungen für die sonstigen Gebäude der Altstadt fest. So entstanden in dieser Zeit nicht nur die bekannten Rekonstruktionen, sondern auch hervorragende Neubauten in moderner Architektursprache der 50er Jahre. So errichtete Sep Ruf die Bayerische Staatsbank Nürnberg, die heute als Heimatministerium genutzt wird, Fritz und Walter Mayer realisierten nach einem gewonnenen Wettbewerb auf den Grundmauern des zerstörten Pellerhauses und des benachbarten Imhoffschen Baus einen Neubau für die Stadtbibliothek mit Archivgebäude.

Das Pellerhaus

Das Pellerhaus wurde ursprünglich 1602-1605 im Auftrag von Bartholomäus Viatis vom Architekten Jakob Wolff, dem Älteren als privates Bürgerhaus für den Schwiegersohn Martin Peller im Stil der Renaissance erbaut. 1882 erwarb Georg Eysseer das Gebäude und ließ es an zahlreichen Stellen auf seine Bedürfnisse umbauen. 1929 ging das Gebäude in städtisches Eigentum über. Nach der Zerstörung 1944/45 wurde auf den Grundmauern des Pellerhauses in den Jahren 1955-1957 der Neubau für ein Bibliotheks- und Archivgebäude der Stadt Nürnberg realisiert. Architekten waren Fritz und Walter Mayer, die den vorgeschaltenen Architektenwettbewerb gewonnen hatten. Der Neubau umfasst sowohl den Bereich des ursprünglichen Pellerhauses als auch das direkt benachbarte Gebäude (Imhoffscher Bau). Das Konzept beließ die noch existierenden Grundmauern des Erdgeschosses. Die unterschiedlichen Nutzungen des Neubaus wurden in den darüber liegenden Ebenen mit geänderten Geschossigkeiten im Stil der 50er Jahre als Neubau geplant. So entstand unter Berücksichtigung der Farb- und Materialvorgaben des Wiederaufbauplans ein hervorragendes Beispiel der 50er Jahre Architektur.

Bemerkenswert sind nicht nur die filigranen und mit viel Detailbewusstsein gestalteten Fassaden der beiden Gebäudeteile, sondern auch die filigranen Konstruktionen der Innenräume, die ebenso hervorragend erhalten sind, wie die besonders zu erwähnenden Sonderräume, insbesondere der ehemalige Lesesaal. Von Höhe und Proportion bildet das Gebäude einen städtebaulich exzellenten Abschluss für den südlich liegenden Egidienplatz.

Das Denkmal

Dieser Neubau wurde als Einzeldenkmal unter der Nummer D-5-64-000-395 eingetragen. Denkmalschutz besteht also für den 1957 fertig gestellten Neubau, nicht für das zerstörte historische Gebäude aus der Spätrenaissance.

Rekonstruktionen

Seit 2005 engagiert sich der private Verein Nürnberger Altstadtfreunde e.V. an diesem Neubau. Ziel des Vereins war es zunächst, die Fassaden des Pellerhauses im Bereich des innenliegenden Hofes zu rekonstruieren. Dieses Vorhaben wurde 2008 gegen die ausdrücklichen Empfehlungen des Landesamtes für Denkmalschutz begonnen und ist aktuell zum großen Teil abgeschlossen.

Seit einigen Jahren verfolgt der Verein nun zusätzlich das Ziel, auch die Hauptfassade des Pellerhauses zu rekonstruieren, die Fassade des Mayerschen Baus soll dafür abgerissen werden.

Positionsbestimmung Pellerhaus
2016 / 2017 veranstalte der BDA-Kreisverband Nürnberg, Mittel-, Oberfranken zusammen mit der BauLust e.V. die Veranstaltungsreihe „Positionsbestimmung Pellerhaus“. Als Referenten konnten zahlreiche Persönlichkeiten aus dem Bereich der Architektur, Hochschullehre und der Denkmalpflege gewonnen werden. Ergänzt wurden die Veranstaltungen mit den Arbeiten von Studierenden der Technischen Hochschule Nürnberg, die sich mit dem Stadtraum Egidienberg befassten. Moderiert wurden die Vorträge und Diskussionen durch die Kunsthistorikerin, Fachjournalistin und Architekturkritikerin. Ira Mazzoni. Nikolaus Bencker, Leiter der unteren Denkmalschutzbehörde und Ingrid Bierer, Leiterin der Städtischen Museen in Nürnberg,  führten die interessierten Besucher durch das Gebäude.

Eine ausführliche Dokumentation finden Sie demnächst hier als Download

 

Haltungen

Wi(e)der ein Denkmal in Schutt und Asche
Vom denkwürdigen Umgang mit den Leistungen des Wideraufbaus

„Nichts war mehr da, aber er beredete sich, es noch zu sehen. Es war zum Weinen“, beschreibt Thomas Mann seinen Eindruck von der zerstörten Stadt, nachdem zuvor ein Nürnberger voll Hoffnung und Verzweiflung zugleich die Handschrift der Stadt, Brunnen, Dürer- und Pirckheimerhaus  trotz der vollkommenen Zerstörung zu erkennen glaubt.

Die unglaubliche Leistung des Wiederaufbaus, gerade auch der historischen Bauten, die Heinz Schmeißner 1950 als kostbare Edelsteine einer Kette bezeichnet, ist aus heutiger Sicht kaum genug zu würdigen. Als junger Architekt kann ich mir die Widrigkeiten der damaligen Zeit nicht ansatzweise vorstellen. Nur drei Generationen später, 2017, werden Stimmen lauter, die diesen Wiederaufbau in Teilen zurücknehmen möchten. Zurücknehmen bedeutet Zurückbauen, meint Zerstören. Ein intaktes Gebäude, das neue Pellerhaus, in Teilen nach wie vor genutzt, ein Denkmal noch dazu, soll zerstört werden. Man muss es sich bildlich vorstellen, wie der Staub der Bagger den Egidienplatz einhüllt. Staub, der alle Furchen und Narben der Stadt überdeckt, der die Spuren einer Stadt verleugnet. Historische Perlen sind wichtig, wir orientieren uns daran, das Nebeneinander von Alt und Neu ist unbedingt erstrebenswert. Der Wiederaufbau einer Historie an unbebauter Stelle, wer hätte abgesehen von der Künstlichkeit dieser Kopie etwas dagegen. Aber die  Zerstörung eines wichtigen Gebäudes, eines Denkmales für ein noch älteres Gebäude? Ich zweifle.

Ebenso zweifle ich an der ohne Vorplanung unsachlichen Angabe, dass ein Neubau nicht teurer wäre als die Sanierung einer an sich intakten Baustruktur. Aber ganz abgesehen von den höheren Kosten eines Neubaus, die Sponsoren bereit wären zu tragen: warum zerstört man einen gelungenen Teil Nürnbergs, um einen noch älteren Teil an Stelle dessen wieder zu errichten? Grandezza, ein würdevoller Auftritt, ist die jahrhundertealte Sehnsucht nach Größe, die in jedem von uns schlummert. Der Nachkriegsbau erfüllt eben genau diese Sehnsucht nicht, aber er ist ein wichtiges Zeugnis seiner Zeit, einer Zeit des Mangels, und damit ein Zeugnis gesellschaftlicher Größe. Einem Bauwerk Qualität abzusprechen, ist leichter, als sich mit den Feinheiten des Denkmalschutzes auseinanderzusetzen, der das Nachkriegsgebäude erhalten will. Die Altstadtfreunde als Gegner des Denkmalschutzes – eine kuriose Konstellation. Aus der Mitte der berechtigten Mahner gegen die Spitzhacke der 70er Jahre wird der Abbruch eines Denkmales beworben. Die Details des neuen Pellerhauses sind überwältigend. Dies zu erkennen gelingt nicht auf Anhieb, auch dies ist die Aufgabe des Denkmalschutzes: gegen den Zeitgeist vor übereiltem Abbruch zu schützen. Das neue Pellerhaus ist in den Zeiten der Nachkriegsnot eine Meisterleistung. Sollen wir dieser Aufbau-Generation nachrufen: gut gemacht, Denkmal für ein paar Jahre, aber im Grunde sind uns Eure Mühen egal, wir wissen es besser?

Keine Frage: die Bilder der Renaissancefassade lassen das Können der Handwerkerschaft erkennen. Nürnberg ist von bedeutenden Fragmenten dieser Qualität durchzogen, neben Fragmenten anderer Zeiten. Stadt verändert sich. 1605 hat der kulturell gebildete, selbstbewusste Kaufmann Viatis für seinen Schwiegersohn Peller ein Bürgerhaus errichtet. Wo sind die Bürger 2017, die dieses Selbstbewusstsein mit Ihren eigenen Bauten ausdrücken, mit den ungleich größeren Möglichkeiten von 2017? Gesellschaft verändert sich. Uns – Architekten und Altstadtfreunden gleichermaßen – eint der Wunsch nach mehr Qualität für die Stadt. Der Abbruch eines Denkmals ist dafür der falsche Weg. Das Einfordern für sensiblen Umgang mit dem Stadtgefüge und Proportionen – eben wie in der Renaissance – bei allen Bauvorhaben der Stadt, mit den Mitteln unserer Zeit, wäre der bessere.

Matthias Köppen
Matthias Köppen ist freier Architekt in Nürnberg und ist Referent für Wettbewerb und Vergabe im Landesvorstand des BDA Bayern

 

Respekt und Qualität – Ganzheitlichkeit statt Potemkin
Über den Umgang mit historischer Bausubstanz

Es gibt viele Möglichkeiten mit einem erhaltenswerten Gebäudebestand im Rahmen einer Sanierung oder Neunutzung umzugehen. Die Bandbreite reicht von der am Ende (fast) nicht mehr erkennbaren Rekonstruktion historischer Bauelemente bis zur Konzeption bewusster Gegensätze von Alt und Neu. Für beide Extreme gibt es Berechtigung und gute und weniger gute Beispiele. Es kommt daher immer auf den Einzelfall an und auf die Qualität der Umsetzung. An erster Stelle muss jedoch immer der Respekt vor dem Gebäudebestand selbst stehen. Eine dogmatische Haltung, die für alle Fälle anwendbar wäre, kann es nicht geben.

Sich mit den Qualitäten, dem Gebäudekonzept und der Haltung der Erbauer zu beschäftigen und auch diese Punkte zu beachten, muss eine Selbstverständlichkeit für alle Architekten und Bauingenieure sein. Dieser Respekt vor dem Bestand fehlt mir bei der Idee, an das heutige Pellerhaus eine Rekonstruktion der Renaissancefassade anzubringen. Insbesondere weil dafür die zu Recht denkmalgeschützte Fassade aus den 50er Jahren zerstört werden müsste und darüber hinaus auch abzusehen ist, dass sich diese Zerstörung auch in den Innenräumen fortsetzen wird. Es ist schon erstaunlich, dass dieser Vorschlag von einer Seite kommt, die das Schild des Denkmalschutzes ansonsten sehr sehr hoch halten.

Darüber hinaus wird die Frage des Pellerhauses aktuell leider oft nur auf die Fassade reduziert (nachdem der Hof nun fertig ist). Es muss aber unbedingt das gesamte Gebäude betrachtet werden, das mit der historischen Fassade nicht mehr funktionieren würde, da weder Gebäudestruktur noch Geschossigkeiten zu den ursprünglichen Fensteröffnungen passen.

Die Zerstörung des Einzeldenkmals Pellerhaus bedeutet aber nicht nur die Zerstörung einer hervorragenden Architektur der 50er Jahre, geprägt durch filigrane Konstruktionen und liebevoll gestalteter Details, die hier alle im Originalzustand erhalten sind. Nein, es bedeutet auch, ein Stück Erinnerung an die Kriegszerstörungen und an den Wiederaufbau aus dem baulichen Stadtbild zu entfernen. Insbesondere in Nürnberg ist hier Verantwortung angemessen, um kein Stadtbild des Vergessens zu konzipieren.

Eine Stadt ist niemals fertig. Sie ist eine lebendige, sich ständige verändernde Struktur, deren Geschichte sich an den Gebäuden und Stadträumen ablesen lässt. Diesen Organismus mit Gewalt auf eine bestimmte Zeit zurückzudrehen, kann nur falsch sein und wäre auch beliebig. Welcher Zeitpunkt wäre denn der Richtige ? Die Qulaität eines Hauses und seine Stellung im Stadtgefüge eignen sich hier als Gradmesser deutlich besser. Stadträumich gliedert sich das Pellerhaus hervorragend in die Bebauung des Egidienberges ein. Es ist ein Platz der Kirche, nicht des Pellerhauses. Und auch das Haus selbst hat unbestritten eine deutlich hohe architektonische Qualität. Ein Vergleich zum zerstörten Pellerhaus ist weder möglich noch zielführend.

Das Wettbewerbskonzept für den Wiederaufbau der Stadt hat die ursprünglichen Stadtstrukturen weitgehend bewahrt. Nur die wichtigsten Gebäude sollten als Rekonstruktionen wieder aufgebaut werden. Dazu gehörte das Pellerhaus ausdrücklich nicht. Es hatte eben nicht den Stellenwert einer Lorenzkirche, eines Rathauses oder der Kaiserburg“

Die „erste Gestaltungssatzung“ aus diesem Wettbewerb war darüber hinaus eine gute Basis für ein harmonisches und bis heute qualitätvolles Stadtbild, in dem aber auch ausdrücklich Neubauten ihren berechtigten Platz gefunden haben und auch zukünftig finden. Auch dies ist zu respektieren. Die potemkinschen Fassaden, wie sie im Innenhof des Pellerhauses bereits entstanden sind, dürfen keine Fortsetzung finden, insbesondere weil sie nur vordergründig qualitätvoll sind, solange man nicht hinter die Kulissen blickt und die heutige Nutzung und Struktur nicht berücksichtigen.

Aktiver Denkmalsschutz erfordert auch eine adäquate Nutzung. Nur so kann das Gebäude kontinuierlich unterhalten werden und verfällt nicht. Das Spielemuseum ist hier in direkter Nachbarschaft zu den Bildungseinrichtungen und der Kirche mit caritativen Engagement sowohl gebäudetechnisch als auch inhaltlich eine gute Basis, die durch weitere gut abgestimmte Nutzer ergänzt werden könnte.

Dass dafür der heutige Bestand saniert werden muss, ist unbestritten. Dazu ist unbedingt eine exakte Grundlagenermittlung, eine vollständige Untersuchung der Bausubstanz und ein ganzheitliches Funktions- und Architekturkonzept erforderlich. Die Fixierung auf ein Bauteil greift hier deutlich zu kurz und würde das Gebäude für immer zerstören.

Andreas Grabow
Andreas Grabow ist freier Architekt in Nürnberg und  Vorsitzender des BDA Kreisverbandes Nürnberg, Mittel-, Oberfranken.

 

Reden über Fassaden – Reden über Architektur
Positionsbestimmung Pellerhaus

Am Egidienplatz an der Historischen Meile Nürnbergs ist ein Meinungsstreit um das Architekturerbe der Stadt entbrannt: Renaissancebaukunst versus Baudenkmal des Wiederaufbaus – Jakob Wolff, der Renaissance-Baumeister versus Fritz und Walter Mayer, zwei „großen“ Architekten des Wiederaufbaus in Nürnberg.

Das historische Pellerhaus ließ der Nürnberger Großkaufmann Bartholomäus Viatis, ein gebürtiger Venezianer, von 1602 bis 1605 nach Plänen von Jakob Wolff dem Älteren für seinen Schwiegersohn Martin Peller errichten. Der Renaissance-Bau war als klassische „Nürnberger Anlage“ mit Innenhof konzipiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde er stark beschädigt. Unter Einbeziehung erhaltener Bauteile wurde von1955 bis 1957 auf Resten des überwiegend kriegszerstörten Bürgerpalais „Pellerhaus“ sowie auf dem Nachbargrundstück des ehemaligen Imhoffschen Palais in der architektonischen Formensprache des Wiederaufbaus ein fünfstöckiger Archiv- und Bibliotheksbau von Fritz und Walter Mayer (Wettbewerb, 1. Preis) errichtet. Bestandteil war auch die Innenhofruine des Pellerhauses. Die Reste des Renaissancebaus waren seit Ersterfassung der bayerischen Baudenkmäler in den 1970er-Jahren in der Denkmalliste enthalten. Das „neue“ Pellerhaus wurde 1998 ergänzend unter Denkmalschutz gestellt. Bis 2012 diente es als Stadtbibliothek. Heute ist es Sitz des Deutschen Spielearchivs Nürnberg.

Durch Betreiben der „Altstadtfreunde“ wurde die Innenhofruine des Pellerhauses seit 2005 unter Zustimmung des Stadtrats der Stadt Nürnberg trotz Ablehnung durch das Landesamt für Denkmalpflege wiederaufgebaut. Anhaltende Forderungen der Altstadtfreunde, nun auch die Straßenfront des Hauses- und damit einen Teil der Bibliotheksfassade zum Platz hin zu rekonstruieren, veranlassten den BDA gemeinsam mit dem Verein Baulust das neue Pellerhaus im Rahmen einer Vortragsreihe in seiner Gesamtheit zu würdigen. Denkmalwerte, architektonische Qualitäten und städtebauliche Potentiale des Nachkriegsbauwerks standen im Mittelpunkt dreier Vortragsabende. Im Ergebnis sprachen sich die Fachreferenten (Architekten, Historiker, Stadtplaner) einstimmig gegen eine – schon aufgrund der geänderten Geschosszahl nicht möglichen – Rekonstruktion der Renaissancefassade und für den Erhalt und die behutsame Sanierung des denkmalgeschützten 1950er-Jahre-Hauses aus.

Ungeachtet dessen fordert seit Monaten der Verein „Altstadtfreunde“, jüngst aber auch in einem offenen Brief der Verein „Stadtbild Deutschland e.V.“ mit scheinbar wissenschaftlichem Anspruch die Rekonstruktion der Fassade. Dass diese Forderung ein Aufruf zum Bruch der Bayerischen Verfassung darstellt, bleibt in den Berichterstattungen der Medien schlicht unerwähnt.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist aber, dass der Verein „Stadtbild Deutschland e.V.“ auch die Rekonstruktion des Nachbaus des Palazzo Barberini in Potsdam befürwortete. Presse und Politik feierten soeben die Museumseröffnung des Neubaus im historischen Gewand. Berlin, Potsdam oder Dresden – Berliner Schloss, Bauakademie, Barberini oder Frauenkirche – Orte und Stadtbilder werden inzwischen vielerorts geglättet, die sichtbaren Folgen und damit sichtbare Geschichte des Zweiten Weltkriegs beseitigt.

Ein Denkmal ist und bleibt ein Denkmal. Ein bestehendes, wenn auch sanierungsbedürftiges Denkmal gegen ein großteils zerstörtes auszuspielen und Rekonstruktion zum Preis des Abrisses zu fordern, wäre schlichtweg Barbarei.

Annemarie Bosch
Annemarie Bosch ist freie Architektin und Stadtplanerin in Erlangen und stellvertretende Vorsitzende des BDA Landesverbandes Bayern

Der Text wurde bereits veröffentlicht in den BDA-Informationen 1.17