Foto: González

Anneliese Brost Musikforum Ruhr

Marienplatz 1, 44787 Bochum

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Anneliese Brost Musikforum Ruhr

Preisträger Auszeichnung guter Bauten des BDA Bochum-Hattingen-Herne-Witten 2017 Auszeichnung, Preisträger Architekturpreis Nordrhein-Westfalen 2018 Architekturpreis Nordrhein-Westfalen 2018
Projekt
Anneliese Brost Musikforum Ruhr
Architekt
Bez+Kock Architekten Generalplaner Gesellschaft mbH
Bauherr
Stadt Bochum, Zentrale Dienste

Juryurteil „Architekturpreis NRW 2018“

Entweihte Kirchen werden oft als Kultur- und Veranstaltungszentren umgenutzt. Doch der Umbau in einen Konzertsaal steht stets vor kaum zu überwindenden akustischen Schwierigkeiten. Beim Anneliese Brost Musikforum in Bochum wurde nicht die Gestalt des Schiffs der ehemaligen St. Marienkirche verändert, sondern seine Funktion. Der frühere Kultraum dient neuerdings als Empfangsraum für zwei Konzertsäle, die den Bochumer Symphonikern sowie der städtischen Musikschule dienen. Sie fassen zu beiden Seiten den ehemaligen Solitär der Kirche ein und bilden neben der differenzierten inneren Raumfolge auch städtebaulich nach Außen eine neue Raumkante.

Kontrastierend zur Transparenz der hohen Chorfenster schließen sich die beiden Ergänzungsflügel mit ihrem geschlämmten Sichtmauerwerk (Redaktion: bitte prüfen) monolithisch nach außen ab. Dennoch halten die Flankenbauten die Traufhöhe der Kirche ein und nehmen dem Altbau nichts von seiner Dominanz. Der große Konzertsaal wurde unter das Erdgeschossniveau gelegt, um nichts von seiner Raumhöhe zu verlieren. Trotz seiner klassischen Kastenform bietet er auf einem umlaufenden Balkon auch Rang- und Podiumsplätze rund um die Bühne.

Das alte Kirchenschiff hat ein unerwartetes Raumpotenzial entwickelt, indem aus dem bloßen Entree und Verteiler ein eigenständiger Veranstaltungssaal geworden ist, der die beiden Konzertsäle ergänzt. Der Funktionswandel vom Sakral- zum profanen Konzertgebäude hat dem ehemaligen Gotteshaus nichts von seiner Würde genommen.

Juryurteil „Auszeichnung guter Bauten 2017“

Mit dem Anneliese Brost Musikforum in Bochum ist dem Büro Bez + Kock Architekten ein überzeugendes und vielschichtiges Gebäude für die Öffentlichkeit und den kulturellen Austausch gelungen, das die Jury mit einer Auszeichnung würdigt.

Die profanierte Kirche St. Marien ist Ausgangspunkt aller entwurflichen Überlegungen. Das besondere Nutzungskonzept beider Seiten des Bestandsbaus und die raffinierte Besetzung des Kirchenschiffes als neuer Eingang und Verteilerraum für die beiden benötigten Säle resultiert im Angebot eines dritten Saales, der für spezielle Veranstaltungen bereits rege genutzt wird. Die Jury lobt die städtebauliche Setzung und die diagrammatische Klarheit, die in einem unerwarteten Raumpotential resultiert. In der Behandlung der umgebenden Freiräume, wäre etwas mehr Differenzierung wünschenswert gewesen.

Im Inneren erlauben großzügige Erschließungsflächen vielfältige Raumaneignungen, die weit über die reine Konzertnutzung hinausgehen. Zusammen mit dem Kirchenfoyer und der Nutzung des Multifunktionssaals durch die Musikschule machen sie aus dem Haus ein durch und durch öffentliches Gebäude.  Im großen Konzertsaal gelingt der Spagat zwischen dem Wunsch nach maximaler Nähe des Orchesters zum Publikum und der raumökonomischen Notwendigkeit der „shoebox“-Typologie in beeindruckender Art und Weise. Eine Vielzahl an „ersten Reihen“ erzeugt das Gefühl, mitten drin zu sein. Zusammen mit der gelungenen Materialität lässt dies den Saal zu einem architektonischen Schmuckstück werden.

Wenn das Orchester als Hauptnutzer das Bauwerk schon kurz nach der Einweihung überschwänglich lobt und die Bürger der Stadt sich bereits in hohem Maße mit demselben identifizieren, dann haben Architekten und Planer, aber auch die Stadt Bochum als öffentlicher Bauherr in breitem Bündnis mit Bürgerschaft, Politik und Wirtschaft alles richtiggemacht.

Foto: Wohlrab
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Foto: González
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